Marie Helene Anschütz

Alice im Wunderwald / Internationaler Waldkunstpfad Darmstadt

 

10. August 2012  | Echo Darmstadt, von Sybille Maxheimer

Die Grinsekatze am Goetheteich

Waldkunstpfad – Neun Mädchen führen das fantastische Stück „Alice im Wunderwald“ auf – Sonntag ist Premiere

Der Wald als Bühne: Die junge Theatergruppe mit Regisseurin Marie Helene Anschütz und Dramaturg Boris Motzki. Foto: Claus Völker
Der Wald als Bühne: Die junge Theatergruppe mit Regisseurin Marie Helene Anschütz und Dramaturg Boris Motzki.
Foto: Claus Völker
 

Wer sich am Sonntag (12.) auf den Waldkunstpfad begibt, der kann etwas erleben. Gemeinsam mit einem dichtenden Mädchen wird man ein Kaninchen über den Herrgottsbrunnenweg verfolgen, dabei einiges zu Ohren kriegen. Neun Kinder studieren derzeit das Stück „Alice im Wunderwald“ nach der Vorlage des britischen Schriftstellers Lewis Carroll ein. Buch und Dramaturgie stammen von Boris C. Motzki (31), Regie führt dessen Frau, Marie Helene Anschütz (26). Die 12 Jahre alte Paula Harres fungiert als Regieassistentin. Der Stoff passe gut in die Waldkunstpädagogik, ins komplette Programm, schwärmt Kulturmanagerin Ute Ritschel. „Wir haben viel Energie darauf verwendet und sind sehr froh, mit der Bürgerstiftung Darmstadt eine geeignete Sponsorin gefunden zu haben.“ Die fiktionale Welt, in der Alice angesiedelt ist, passt zu den skurrilen Spuren des internationalen Waldkunstpfads, der den Mimen als wundersame Kulisse dient. Hier sieben Riesenfüße, dort ein luftig-geheimnisvolles Hexenhaus oder die schwebenden Eichenhölzer der Chinesin Liang Hao. Die Kinder, ausschließlich Mädchen, sind in ihrem Element und mit Begeisterung Mimen. Sie strotzen nur so vor Schwung und Lust, endlich spielen zu dürfen. Zum Casting kamen 20 Kinder, „nur neun wurden ausgewählt“, so Marie Helene Anschütz. Vor zwei Monaten begannen die angehenden Theaterleute ihre Texte zu lernen, seit zwei Wochen treffen sie sich jeden Tag, um von 10 bis 15 Uhr die Welt rund um den Goetheteich unsicher zu machen. Die Vorlage „Alice im Wunderland“ wurde reduziert, Texte und Dialoge der heutigen Zeit angepasst. Die komischen Aussprüche reizen immer wieder zum Lachen. Denn da steht eine gelangweilte Alice im rosa Kleidchen im Wald und nöhlt etwas von „Natur pur“ oder von „Kunst, die angeblich jeder versteht, nur ich nicht“. Wie sich die Geschichte abspielt, so viel darf verraten werden, ist ungewöhnlich und daher erfrischend. Das Publikum schnappt draußen Luft, bewegt sich und kriegt obendrein wundersame Bilder vors Auge gedrückt: Von der Grinsekatze über den verrückten Hutmacher bis hin zur Herzogin und der Raupe – keiner fehlt und dennoch ist alles anders. Die Begebenheiten des Kunstpfades, schwärmt Boris Motzki, riefen schier danach, miteinbezogen zu werden. Jede Szene spielt deshalb an einem Kunstprojekt. Ein spannendes Experiment, so der Dramaturg, weil Theaterleute sonst immer in einem geschützten Raum spielten. „Wir gehen hier mit der Bühne in die Natur.“ Das gefällt den jungen Spielerinnen, denn der Wald ist ein abenteuerlicher, fantasievoller Raum. Helene Anschütz betont, dass die Mädchen konzentriert bei der Sache seien. Immer aufmerksam zuhörten. Das beweisen sie alleine schon während der Aufwärmphase am Mittwochmittag, bei der alle rufen „ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“, dazu wild mit Armen und Beinen gestikulieren und immer lauter werden. „Das ist gut für unsere Stimmen“, sagen sie munter. Aber auch das Auswendiglernen haben sie drauf, wie die Szenen zeigen. Alles dreht sich um die Titelheldin Alice, die dem Flöte spielenden Kaninchen folgt. Am Hexenhaus schluckt sie Pillen, meint: „Wer nicht wagt, der nicht ...“ oder „no risk, no fun“. Dann schrumpft die liebe Alice und ihr Weg strotzt nur so vor Absurditäten. Besonders kurios wird’s am Goethefelsen, wo schon der berühmte Schriftsteller 1772 über sich als einen „irren Wandrer“ nachdachte. Hier kreischt die blutrünstige Herzogin, die sich an einem süßen Schweinchen zu schaffen macht. Lustig und vergnügt wird’s wieder bei der verrückten Teegesellschaft. Das Stück hat einen stillen, philosophischen Ausgang, der Wege – auch auf Realitätsebene - aufzeigt und den jedes Kind versteht.
„Alice im Wunderwald“ feiert am Sonntag (12.) um 16 Uhr Premiere. Weitere Aufführungen sind jeweils am Sonntag (19.) und am 2. September um 16 Uhr. Treffpunkt ist der Infostand am Waldparkplatz neben dem Polizeipräsidium an der Klappacher Straße.